Schicksal Russenkind

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Deutschland Ukraine

Schicksal Russenkind

Dokumentation  von Stephan Liskowsky und Dinah Münchow

MDR  2016  30 min

Eine kleine Schachtel ist alles, was Christine Waschwill von ihrem Vater besitzt. Darin ein schmaler Stapel Schwarz-Weiß-Fotos. Hier beginnt die Suche nach ihrem Vater Iwan Luzenko, den Christine nie kennengelernt hat, und über den ihre Familie jahrzehntelang schwieg. Wer war dieser Mann mit dem jungenhaften Lächeln, der zur russischen Besatzungsmacht gehörte? Ein einfacher Dolmetscher? 

Aber was machte er dann schon 1944 in Chemnitz, ein Jahr bevor die Rote Armee kam? Welches Geheimnis hatte Iwan Luzenko, der perfekt Deutsch und Russisch sprach? Mal nannte er sich Iwan, mal Hans und in offiziellen Dokumenten taucht er sogar auch als "Johann" auf.

Verzweifelte Suche

Seit 20 Jahren sucht sie verzweifelt nach ihrem Vater. Christine Waschwill ist kurz nach dem 2. Weltkrieg geboren und das Kind eines sowjetischen Soldaten. Sie ist nicht allein mit diesem Schicksal - Experten schätzen, dass 400.000 Kinder nach dem 2. Weltkrieg geboren wurden, deren Väter Briten, Franzosen, Amerikaner oder Russen waren. Die Kinder hatten es nicht leicht - als "Besatzerkinder" waren sie doppelt stigmatisiert: zum einen unehelich geboren, zum anderen vom früheren Erzfeind gezeugt. Viele waren nicht gewollt und ihre Geschichte wurde totgeschwiegen.

Auch Christine schweigt über ihre Familiengschichte: "Ich wollte mit Niemanden darüber sprechen. Das war mein Geheimnis. Also ganz viele Jahre. Ich wurde dann schon manchmal darauf angesprochen, habe aber nicht darauf reagiert." Als sich Christine offen mit ihrer Familiengeschichte auseinandersetzen will, ist es zu spät - ihre Mutter, Marga ist da schon gestorben.

Seltsame Geheimnisse

Christines Tante, schon über 90 Jahre alt, erinnert sich noch lebhaft an ihren Vater. "Wir haben ihn als blonden Hans kennengelernt. Blond, war schon ein hübscher Kerl. Und sympathisch nur einmal. Mit dem konnte man sich richtig unterhalten". - Er ist Dolmetscher, ein gefragter Mann mit ungewöhnlichen Möglichkeiten - er genießt volle Bewegungsfreiheit, fährt sogar ein beschlagnahmtes deutsches Motorrad und trägt eine Handfeuerwaffe. Der weltgewandte, charmante Mann, der als Dolmetscher zwischen Siegern und Besiegten vermittelt, verliebt sich in die junge deutsche Polizistin Marga. Eine Liebe, aus der Christine hervorgeht, und die abrupt endet.

Was geschah 1947 mit Ivan?

1947 muss Iwan plötzlich verschwinden. Es gibt kein Lebenszeichen mehr von ihm. Wurde Iwan bestraft, weil er sich in eine Deutsche verliebt hatte? Hat Christine möglicherweise Verwandte in der Ukraine, aus der ihr Vater stammte? Die 69-Jährige geht zusammen mit "Spur der Ahnen" auf die Suche - eine Suche, die sie tatsächlich bis in die Ukraine führen wird.

 

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